Beim Akkordeonorchester gibt sie den Ton an


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Janina Rüger
Aus Finsterwalde nach Trossingen

Sie ist gerade mal 25 Jahre alt und gibt doch den Ton an - beim Akkordeonorchester des Mandolinenclubs Schwaikheim. Dort ist Janina Rüger seit einem guten halben Jahr als Dirigentin tätig. Zudem unterrichtet die gebürtige Brandenburgerin Kinder und Jugendliche im Akkordeonspiel.

Das Akkordeon war schon immer Janina Rügers Trauminstrument: „Mit acht Jahren habe ich angefangen zu lernen." Die Brandenburgerin hätte gerne noch früher losgelegt, musste aber damals zwei Jahre auf einen Platz an der Musikschule warten: „In der DDR konnte man sich nicht einfach an der Musikschule anmelden, sondern musste zuerst ein Vorstellungsgespräch hinter sich bringen." Bis es so weit war, griff Janina Rüger notgedrungen zur Blockflöte, blieb dem Akkordeon aber treu: „Bei mir war nie die Frage, ob sich das ändert." Die Liebe zum Akkordeon hat zum Teil wohl ihr Onkel, ebenfalls Akkordeonspieler, geweckt. Denn die Quetschkommode ist in Brandenburg nicht sehr verbreitet: „Dort gibt es vielleicht ein bis zwei Akkordeonorchester, Vereine kenne ich gar keine." So war es für Janina Rüger nach ihrem Umzug in den Süden „völlig neu, dass es hier in fast jedem Ort ein Akkordeonorchester gibt". Nach ihrem Abitur 1999 kam die heute 25Jährige aus Finsterwalde nach Trossingen, um am Hohner-Konservatorium zu studieren. Akkordeon natürlich - außerdem elementare Musikpädagogik und Dirigieren.
Ein Jahr verbrachte sie in Florenz am Konservatorium Luigi Cherubini. „Der Maestro dort ist ein unglaublicher Musiker, den ich sehr bewundere." Danach kehrte sie nach Trossingen zurück - allerdings nur zum Studieren: „Wenn man in so einer großen Kulturstadt gelebt hat, ist Trossingen doch etwas ab vom Schuss." Deshalb lebt Janina Rüger inzwischen in Stuttgart und pendelt noch bis zum Sommer zum Unterricht in der Solistenklasse in Trossingen.
Profi-Akkordeonorchester gibt es nicht, sagt Janina Rüger. Deswegen bleibe Akkordeonspielern eigentlich nur die Möglichkeit, entweder hauptberuflich an einer Musikschule zu unterrichten oder freiberuflich zu arbeiten. Sie hat sich für die zweite Möglichkeit entschieden: „Das gibt mir die Freiheit, meine Tätigkeiten so zusammenzustellen, wie ich will." Unterrichten, dirigieren, spielen - „keins von diesen Sachen alleine würde mich ausfüllen". Die richtige Mischung macht's.
Im vergangenen Oktober hat Janina Rüger begonnen, in Schwaikheim Kinder und Jugendliche zu unterrichten. In Korb ist sie schon seit einigen Jahren in der Jugendausbildung aktiv und arbeitet momentan an einem Projekt, das darauf abzielt, neue pädagogische Wege im Akkordeonunterricht zu finden. Das Lehrmaterial, das vorhanden ist, sei häufig sehr veraltet, kritisiert sie: „Die alten Lehrhefte werden einfach ein bisschen bunter gemacht und dann heißt es, jetzt seien sie zeitgemäß und kindgerecht."
Das Akkordeon als Instrument ist derzeit durchaus angesagt, wird wieder entdeckt, sagt Janina Rüger. Früher hat sie sich manchmal darüber geärgert, dass ihr Lieblingsinstrument oft in die „zünftige Schublade" gesteckt wird - „heute nicht mehr". Stattdessen freut sie sich über das „Aha-Erlebnis", das sie vielen Menschen bei ihren Konzerten beschert. In Kleinheppach zum Beispiel bekamen die Besucher atonale und experimentelle Musik zu hören. Das kam erstaunlich gut an: „Es kommt drauf an, wie man's einführt. Man darf die Leute nicht überfallen, dann sind sie sehr offen. Viele waren beeindruckt."
Dass man „mit Musik viel bewegen kann, den Menschen sehr nahe kommt", hat Janina Rüger schon früh erlebt: Als Neunjährige begann sie im Rahmen einer Weihnachtswunschaktion einer Zeitung gemeinsam mit ihrer Freundin an Heiligabend für Menschen zu spielen, die einsam waren, arbeiten mussten oder Trost gebrauchen konnten. Die Aktion war ein voller Erfolg: Zehn Jahre lang waren die beiden an jedem Heiligabend mehr als zwölf Stunden unterwegs, überraschten etwa einen Bahnangestellten zu nachtschlafender Stunde auf dem Bahnhofsturm mit einem Ständchen. „Am Ende gab's schon im Sommer die ersten Anmeldungen."
„Musik ist immer auch ein Ventil", sagt Janina Rüger. Nach Konzerten passiert es oft, dass Menschen sie ansprechen, erzählen, was sie einst bei einem Stück erlebt haben. „Da kommt so viel hoch, man weiß gar nicht, was man alles auslöst."
Ihre Musiker vom Akkordeonorchester seien aber auch „interessiert, offen und mit Feuereifer bei der Sache". Dass sie teils um die 70 Jahre alt und somit einige Jahrzehnte älter sind als sie selbst, ist für Janina Rüger kein Problem - sie gibt trotzdem den Ton an.

Quelle: WKZ, vom 02.02.2006

Kontakt: staufen@akkordeonjugend.de