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Harmonika-Freunde aufgelöst

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Das Jugendorchester der Harmonikafreunde Waiblingen 1971.

Nach 86 Jahren: Das Ende einer Waiblinger Akkordeon-Tradition

Sie veranstalteten Akkordeon-Festivals mit weit mehr als 100 Teilnehmern und hatten während ihrer Glanzzeiten 70 bis 80 Kinder und Jugendliche in der Ausbildung. Alles vorbei: Mit der Auflösung der Harmonika-Freunde geht eine Waiblinger Musiktradition zu Ende.

Die Harmonika-Freunde waren mehr als nur ein Verein. Sie waren ein Freundeskreis, eine große Familie. „Wir haben es mit Wehmut getan", sagt Vorsitzender Wilhelm Thalheimer über den Beschluss zur Auflösung. Bei runden Geburtstagen und Hochzeiten von Mitgliedern waren die Spielerkollegen immer dabei. Nicht selten füllten sie als Hochzeitscombo den Abend mit ihrem mehrstündigen Repertoire an Tanzmusik. So etwas verbindet. Dirigent Herbert Heck schnitt dem Orchester viele Arrangements wie die Musicals „Lord of the Dance" oder „Miss Saigon" auf den Leib. Eine lebendige, in mehreren gegenseitigen Besuchen gepflegte Freundschaft verband den Verein mit Akkordeonspielern aus Bern.

Das Akkordeon-Festival hatte einen glänzenden Ruf

Doch in ihrer letzten Hauptversammlung beschlossen die rund 20 verbliebenen Mitglieder die Auflösung des Vereins. Es fehlte schlicht der Nachwuchs. Jugendarbeit gab es seit mehr als zehn Jahren nicht mehr, denn die Anmeldungen gingen immer weiter zurück. In der Folge blieben nur wenige aktive Spieler übrig. Schon vor längerer Zeit bildeten die Waiblinger deshalb mit dem Akkordeon-Spielring Geradstetten eine Spielgemeinschaft. Nun verteilen sich die letzten fünf Aktiven auf Orchester in der näheren Umgebung. „Arm sind wir nicht", betont Kassier Erich Perego. Ein Vereinsheim hatten die Harmonika-Freunde nie. Ihr fünfstelliges Vermögen wird laut Beschluss der Hauptversammlung hälftig an die Stadt Waiblingen und an einen Verband für Akkordeon-Jugendarbeit fließen. „Die Stadt hat uns immer unterstützt, die Räume kostenlos überlassen, dafür wollen wir uns bedanken."

Versuche, den schleichenden Rückgang aufzuhalten, gab es durchaus. So wurde eine Kooperation mit der Wolfgang-Zacher-Schule angestrebt, kam jedoch nach hoffnungsvollem Beginn mangels Nachfrage nicht zustande. Erklärungsansätze haben die Vorstandsmitglieder mehrere: Das Schulsystem lasse den Jugendlichen kaum noch zeitliche Freiräume, wobei das Angebot von Vereinen und Institutionen immer größer wird. Und wer als Verein heutzutage nicht den Fuß in die Türen der Ganztagsschulen bekommt, hat schlechte Karten bei der Nachwuchsarbeit. Hinzu kommt nach Ansicht von Ausbilderin Erika Heck, dass das Akkordeon als Instrument ein „Imageproblem" habe. Zu Unrecht, wie das in Spitzenzeiten bis zu zehnstündige Repertoire aus klassischer und Unterhaltungsmusik beweist.

Mit Stolz verweisen die Vorstände darauf, dass die Harmonika-Freunde einer der ältesten Akkordeon-Vereine in der weiteren Umgebung waren. 1931 gründeten Waiblinger Musiker den 1. Handharmonika-Club. Er spielte beim 1. Schwäbischen Musikfest 1933, hatte vor und nach dem Krieg Radio-Auftritte. Nach Kriegsende zeitweise eine Abteilung des SKV, erlangte der 1. Handharmonika-Club bald wieder Selbstständigkeit. Anfang der Fünfziger wurde in Waiblingen unter dem Namen Akkordeon-Orchester ein zweiter Handharmonika-Verein ins Leben gerufen. Beide Vereine fusionierten vor genau 50 Jahren –1967 war das Geburtsjahr des Namens Harmonika-Freunde.

Glanzzeiten der Nachwuchsarbeit waren die Siebziger und Achtziger. Der Höhepunkt der Vereinsgeschichte sollte jedoch in die Neunziger fallen: das erste Waiblinger Akkordeon-Festival. Beim Gala-Konzert am Abend im ausverkauften Ghibellinensaal des Bürgerzentrums spielte das renommierte Orchester Hohnerklang Trossingen unter Leitung des mit den Waiblingern befreundeten Hans-Günther Kölz aus Hohenacker. Zu den Wertungsspielen der Jugend meldeten sich 70 Teilnehmer, beim zweiten Festival 1996 waren es 140 Jugendliche. „Der Verein war an die Grenze der Belastbarkeit gekommen", erinnert sich Willi Thalheimer, „wie mussten die gesamte Comeniusschule und mehrere Wertungsrichter anheuern."

Quelle: WKZ, Juli 2017

Kontakt: staufen@akkordeonjugend.de