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Die Postmoderne im Akkordeon


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AO Hohenacker
Holt aus der Quetsche erst das Potential raus, das für Pop und Pep sorgt:
Orchesterleiter Hans-Günther Kölz, hier vor dem Hohnerorchester aus Trossingen


CD "Inside View" des Hohenacker Orchesters - eine Klang-Offenbarung


Jetzt gehören die letzten noch verbliebenen Vorurteile über das Akkordeon auf die Müllhalde der Musikgeschichte: Das Akkordeon-Orchester Hohenacker hat die CD "Inside View" veröffentlicht - und räumt mit Schifferklavier-Klischees endgültig auf.

Schon das Cover verspricht tiefe Einsichten (inside views): Der grafische Aufschnitt eines Akkordeons, das zunächst gar nicht als solches zu erkennen ist. Erst beim Auseinanderfalten des Booklets und bei genauer Betrachtung der Skizze, die eine Art Schaltplan zu sein scheint, enthüllt sich hier die Inneneinsicht in eine Handharmonika, ihre verborgenen Register, ihre Funktionen und Formen.
Das visuelle Bekenntnis zu einem "traditionsreichen Instrument", wie`s auf dem Cover heisst, setzt sich musikalisch fort. Was hier auf zwölf Stücken an musikalischer Vielfalt geboten wird, sprengt herkömmliche Genre-Grenzen.
Da gibt es ein Comedian-Harmonists-Medley, eine Frank-Sinatra-Hommage, Tito Puentes "Oye Como Va", Queens "Bohemian Rhapsody" und das "Starwars"-Thema neben Originalkompositionen des Orchesterleiters Hans-Günther Kölz. Es stimmt zwar: Die Handharmonika hat auch hier diesen wehmütigen, leiernden Ton, der zu Schiffahrt und Fernweh ebenso passt wie zu volkstümlichen Abenden am rustikalem Kaminfeuer. Doch da ist mehr möglich, da steckt Musik drin, wie sie der Quetschkommode, dem "Klavier für Arme", von Snobs gern abgesprochen wird: Jazz, Pop, ja Neue Musik - oder wie nennt sich das, was sich Hans-Günther Kölz, der Akkordeon-Guru von Hohenacker, in seinen Kompositionen und Arrangements einfallen liess? In seiner Musikschule in Hohenacker bilden er und sein Bruder Jürgen, Leiter des Freizeitorchesters Hohenacker, Schüler aus, Hans-Günther Kölz übrigends auch in der renommierten Musikschule Trossingen, einem deutschen Harmonika-Zentrum - und mit dem Akkordeon-Orchester machen die Brüder eine Musik, die bisweilen fast schon avantgardistische Originalität annimmt.
Auch bei der CD-Präsentation im Bürgerhaus Hohenacker ist diese ganz spezielle Handschrift spürbar. In Kölz` "Welcome to Venice" etwa, einer Komposition im Stil von Rondo Veneziano, wechseln Fanfaren-Themen von opulenter, barocker Pracht ab mit Passagen, die den Akkordeon-Sound fast nackt präsentieren. Auch das Kölz-Arrangement von Sinatra-Themen verzichtet völlig auf die üblichen Schunkel-Seligkeit, wie sie Freizeitorchester oft bevorzugen, und gliedert die Musik in Momentaufnahmen, reiht sozusagen Passage an Passage, Zitat an Zitat, was bisweilen etwas abgehackt und (bemüht?) bruchstückhaft wirkt, aber auch anspruchsvoll postmodern sozusagen.
Und das Orchester vermag mitzuziehen. Es verlangsamt und beschleunigt souverän, und es bewältigt Kölz Passagen- Patchwork von ständig wechselndem Charakter, das eine sichere Intonation und eine besondere Rhytmusgenauigkeit erfordert, weitgehend fehlerfrei!

Quelle: WKZ vom 31.03.2000
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Kontakt: staufen@akkordeonjugend.de