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Multikulti in der Welt des Akkordeons


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Mit Spaß dabei beim AO Hohenacker
Hans-Günther Kölz dirigierte das Orchester

Harmonikas für Hinterwäldler? Längst nicht mehr! „Andere Länder, andere Lieder", Musik aus der weiten Welt mit dem Akkordeon-Orchester Hohenacker im Gemeindehaus, hatte das Tobias Escher Trio zu Gast. Und das brachte Li „Jazzboy“ Tian Long (Mundharmonika) mit, einen Chinesen! Mehr Multi-Kulti geht kaum.

120 Gäste im evangelischen Gemeindehaus, ein Konzertpublikum, wollen genau zuhören. Nicht Schenkel klopfen und zu Schnulzen schunkeln, sondern sich einmal mehr zeigen lassen, wie filigran und vielseitig die einst geschmähte „Quetschkommode", das Klavier für Arme, klingen kann. Und darauf versteht sich kein anderes Harmonikaensemble besser als das Akkordeonorchester Hohenacker, etwa 30 Leute, üppig besetzt mit einer Rhythmusgruppe (E-Bass, E-Piano, E-Gitarre, Schlagzeug) und bestens eingespielt. Dirigent Hans-Günther Kölz hat fast alle Stücke im Programm entweder selber geschrieben oder arrangiert, darunter eins vom Holländer Jan de Haan, der ihn persönlich darum bat, oder ein Gershwin-Medley mit eher abgelegenen Stücken des US-Komponisten oder auch die „Marabi Party" aus Südafrika. Allesamt Beweise für eine weltoffene, variable Vorstellung davon, was ein Akkordeon heute zu spielen und wie es zu klingen hat.

Danach ist der Kölz-Schüler Tobias Escher mit seinem Trio dran, der erzählt, wie er in den 90ern als junger Akkordeon-Adept den großen Frank Marocco in Hohenacker hörte, auf Einladung von Kölz, und wie dies seinen Horizont weitete, weil es ihm zeigte, „was alles so geht mit der Quetschkommode". Escher ist heute vielleicht das größte Akkordeon-Talent im Land, ein Vollblut-Musiker, für den auch Jazzer wie der Fellbacher Drummer Hans Fickelscher und der Freiburger Thomas Bauser auf seiner urigen Hammond-Original-Orgel spielen.

Sie stellen die CD „Akkordeon meets Hammond" vor, ein gelungenes Treffen dieser nur vermeintlich grundverschiedenen Tasteninstrumente, die hier und heute eine grandiose Symbiose eingehen. Songs wie Richard Gallianos „Tango pour Claude", das Eingangsstück, kombinieren den extrem warmen, bauchigen Hammond-Sound mit Eschers wehmütig wiegendem Akkordeon. Die reine Easy-Listening-Ekstase, Musik für die Nacht, für blaue Stunden das wäre es, wenn die drei Solisten nicht jederzeit auch für Aufregendes, Ausgefallenes gut wären. Aber sie können ebenso in Harmonie machen, in wohliger Wehmut.

Ein Klang fast wie Watte zum Tupfen unserer Wunden

Und wenn sie Maroccos „In The Stillness" noch einen Tick sanfter spielten, dann könnten wir mit ihrem Klang unsere Wunden tupfen wie mit Watte. Wozu auch beiträgt, dass der chinesische Gast Li „Jazzboy" Tian Long, ein junger Mann mit Stirnband und blauem Jackett, die Mundharmonika geradezu sensationell sehnsuchtsvoll spielt, mit einem Sound nach Weltflucht und ein bisschen nach Weltschmerz, hochemotional und so schaurig schön, dass man sich drin baden wollte. Aber er kann auch optimistischer. In Chuck Berrys „Nadine" bläst Jazzboy ein Solo, das klingt wie von einer E-Gitarre: rockig, saftig, laut. Seine verstärkte Bluesharp dringt in jede Ecke des Gemeindesaals, fährt einem buchstäblich in die Knochen. Bis jeder Hinterwäldler sein Heil in der Flucht suchen würde. Wir anderen, die Weltbürger und Freunde der guten, kosmopolitischen Klänge, fühlen uns freilich fantastisch...

Quelle: WKZ vom 04.04.2011
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Kontakt: staufen@akkordeonjugend.de