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Akkordeon gegen November-Tristesse


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Was für ein farbenreiches Ensembleinstrument das Akkordeon ist, wird gern vergessen. Daran erinnerte das brillante Konzert des Akkordeon-Orchesters Hohenacker, das mit einem die Herzen wärmenden Programm mit Bravour die November-Tristesse wegspielte. Höhepunkt des „ConTakte" Konzerts war ein atemberaubender Duo-Auftritt von Matthias Anton und Hans-Günther Kölz.

Das Akkordeonorchester mit Matthias Anton
Das Akkordeonorchester mit Matthias Anton

Ersten Jubel für ihren Auftritt erntete im voll besetzten Bürgerhaus gleich zu Beginn das Freizeitorchester nach einem schwungvollen „Like a River", ein sicher unbeabsichtigt ironischer Kommentar auf den Dauernieselregen dieses außerhalb der Halle trüben Novemberabends.
Unter der souveränen Leitung von Jürgen Kölz delikat arrangiert und mit schneidendem Flügelhorn-Solo von Volker Rauschenberger, brachte „Children of Sanchez" einem dann die hitzige Atmosphäre eines Slums in Mexico-City nahe. Und natürlich nicht ohne Zugabe, ließ es das feine Freizeitorchester mit dem gefühlvollen Seemannsstück „Stranger an the Shore" dann in die sehnsuchtsvolle Weite des Meers ausklingen.

Melodiöser Klangzauber und differenzierter Orchester-Sound

Auf eine kleine Europareise nahm das Schülerorchester unter der Leitung von Moritz Sauer sein Publikum mit. Die zehn Jugendlichen hatten eine locker gesponnene „Tarantella" aus Italien im Gepäck-, dazu eine heitere dänische Polka, die von einem bezaubernd federleichten, französischen Walzer namens „Crepe au chocolat" abgelöst wurde, um schließlich mit zukunftstreibend flottem Rhythmus, staunend vor dem „Atomium", so der Titel des Stücks, in Brüssel/Belgien zu stehen. Zum Mitklatschen des Publikums lud dann der sanfte Rocker „Party Fever". Und ja, da war längst Fieber und Feuer in der Hütte!
Aus etwa 15 Mitgliedern bestand das 2. Orchester (Leitung: Jürgen Kölz), das den ersten Teil des Konzerts mit musikalischen Postkarten aus der weiten Welt beschloss. Das startete mit „Little Sheep", einem sehr eleganten, ja schwebenden Stück, bei dem man - und das gilt für das ganze Konzert -einmal besonders die hervorragende Rhythmus-Sektion aus Bass, Drum, Percussion und Piano hervorheben muss.
Ein nördliches Stimmungsbild war „Am Fjord", mit zarten Rhythmus-Schraffierungen, sanft wie Nacherinnerungen an einen schon wieder fernen Urlaub. Gute Stimmung gab's darauf mit „Sunflowers" und einer durchgemachten Nacht im „Cotton Club ". Weshalb dann ein „Frühstück in Paris", mit seiner träumerisch schmelzenden Musette- und Seine-Ufer-Stimmung, zum Ausklang gerade recht kam.
Nach der Pause eröffnete das große Erste Orchester mit einem dramatischen Wüstenzug, „Caravans Theme", wobei es einige exotische, fernwehend arabische Register zog, und mit großer Power, unter Jubel im Saal, endete. Voller Sound, fein austariert, leidenschaftlich von Hans-Günther Kölz. geleitet. Dem stand „Riverdance" in nichts nach: grandiose Rhythmuswechsel,- melodiöser Klangzauber, bei einem satten und doch immer sehr differenzierten Orchester-Klangbild. Mitreißend. Sehr schön. Zu Recht große Begeisterung im Publikum.
Aber das ließ sich alles noch steigern. Im „ConTakt" also im Gespräch des Orchesters mit dem Sopransaxofon des Gastes Matthias Anton in „Para una despedida". Mit grandiosem Gespür und Feingefühl begleitete das großartige Ensemble hier die klagenden, sich verzehrenden, betörend schönen Saxofon-Phrasierungen des virtuosen Matthias Anton. Aber auch das sollte noch ein bisschen zu steigern sein.
Nämlich mit den drei Duo-Stücken, die Matthias Anton an verschiedenen Blasinstrumenten zusammen mit Hans-Günther Kölz am Akkordeon spielte. Da flirren sich Alt-Saxofon und Akkordeon leicht hehlinga in „Bluesette" von Toots Thielemans, um es dann heftig be-boppen zu lassen. Zwei sich wiegende, beseelte Musikanten, keck und voller Humor, wie sie da die apartesten Klänge aus ihren jeweiligen Instrumenten reizen. Fantastisch und mit lautem Jubel quittiert!

„Libertango"-Duett: Mit kecker Lust

Und was für ein Genuss dann mit dem Big-Band-Klassiker „Caravan" von Duke Ellington. Hier bestand die Duett-Konstellation aus Akkordeon und Bassklarinette. Hier bezauberte Anton mit dem Pfeifen, dann wieder holztrockenem Pluckern und den rauen Melodielinien der viel zu selten zu hörenden Bassklarinette. Starkes Stück.
Und als Zugabe schließlich das oft gespielte „Libertango" von Astor Piazzolla. So wie hier, von Anton und Kölz, hat man es aber wohl noch selten gehört. Wie sich hier die beiden, Alt-Sax und Akkordeon, mit ungeheurer kecker Lust die Töne zuwarfen, wie sie mit frechem Freiheitsspucken der Töne, mit erfrischend übermütiger Lust auch an aufreizenden Pausen, wie die zwei Meister hier tatsächlich die musikalische und wirkliche Freiheitslust zelebrierten, das war atemberaubend. Unerhört!

Matthias Anton
  • Matthias Anton wurde 1979 in Filderstadt geboren und wuchs in Trossingen auf, wo er heute als Dozent für Saxofon an der Staatlichen Hochschule für Musik lehrt.
  • 1997 erhielt er ein Stipendium für das renommierte Berklee College of Music. Anton ist rühriges Mitglied oder Initiator vieler unterschiedlicher Ensembleformationen und weist eine unerschrocken offene, experimentierfreudige Diskografie vor.


Quelle: WKZ, vom 13.11.2017
Kontakt: staufen@akkordeonjugend.de