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Die Spieler des HHC Korb in Aktion
Seit einem Dreivierteljahrhundert sind sie Garanten für konservenfreie, authentisch-handgemachte Musik


Klassisch und lateinamerikanisch beging der Handharmonika-Club Korb sein 75. Jubiläum. Nach Klassischem vom Ersten Orchester und dem Duo Janina Rüger und Oliver Curdt verwandelte das Trio Al Corte die Remstalhalle in einen argentinischen Hinterhof - leidenschaftlichen Tango tanze das Stuttgarter Paar Renate Fischfinger und Christian Riedmüller.
Nach 75 Jahren nimmt sich der Handharmonika-Club nur eines vor: „So weitermachen wie bisher", sagte Pressesprecherin Angela Selvers. „Das ist nicht Musik aus der Konserve, wo ein paar Hampelmänner so tun, als ob sie was könnten. Was man hier sieht und hört, ist wirklich in diesem Augenblick entstanden."
Die Worte von Moderator Reiner Äckerle unterstützte das Publikum mit heftigem Applaus. Denn die Spieler boten ein abwechslungsreiches und außergewöhnliches Programm.

Unter der Leitung von Paul-Ernst Knötzele startete das Erste Orchester mit einer Büffeljagd, der Konzertsuite „Der mit dem Wolf tanzt" von John Barry. Und selbst, wer die Szenen aus dem gleichnamigen Film nicht mehr im Gedächtnis hatte, sah die weiten Steppen des amerikanischen Westens vor sich, ein Leben aus vergangenen Tagen - ohne Auto, ohne Supermarkt. Die Melodie erweckte Sehnsucht nach der Ferne.
Neben der „Romanze" und der „Slawischen Skizze" von Fritz Dobler spielte das 15-köpfige Orchester den Militärmarsch „Pomp and Circumstance" von Edward Elgar aus dem dritten Akt von Shakespeares Othello. Eben diesen Marsch wünschte sich auch Edward der Siebte für seine Krönungsfeier.
Welche Stimmung, welche Assoziationen ein Instrument zu vermitteln vermag, zeigte der Abstecher ins Tierreich von Janina Rüger, Akkordeonlehrerin und Leiterin des Jugendorchesters, und Oliver Curdt, Klarinettist des Orchestervereins Stuttgart und des Stuttgarter Paulusorchesters. Ihre Interpretation von „The flight of the bumble bee", dem „Hummeltanz" von Nicolai Rimsky-Korsakow, klang nach dem Summen und Brummen des gutmütigen Tierchens. Daneben spielte das Duo Klassisches von Mozart, „Divertimento II in C-Dur", den Rigaudon von Edward Grieg, und den Tango Nr. 2 von Andreas Nebl. Mit Letzterem machten sie neugierig auf den zweiten Teil des Abends unter dem Motto „Tango Argentino".

Den gestaltete das Trio Al Corte, Elke Knötzele am Bandoneon, Irene Zantow-Bareiß an der Violine und HHC-Dirigent Paul-Ernst Knötzele am Piano. Sie spielten langsamen und schnellen, jedoch stets gefühlvoll-erotischen Tango. Das Bandoneon, ein Handzuginstrument, dessen Form an ein Akkordeon erinnert, hat aber nur wenig mit diesem gemein, wie Moderator Reiner Äckerle erklärte. Er lieferte zwischen den argentinischen Melodien kulturelle Hintergründe der schmerzerfüllten Lieder. Zu Beginn las er „balada para un loco", die „Ballade für einen Verrückten" von Horacio Ferrer und leitete so in „Oblivion" von Astor Piazzolla über.
Wer sich in die sehnsuchtserfüllten Klänge fallen ließ, spürte die argentinische Hinterhof-Atmosphäre, die von der Sonne erwärmten Mauern der Häuser. Für die Leidenschaft eines Tango tanzenden Paares mussten die 160 Zuschauer trotzdem nicht ihre Vorstellungskraft bemühen. Renate Fischinger und Christian Riedmüller tänzelten zum „Tanguango" gefühlvoll, aber energisch umeinander - ein sich Annähern und Entfernen gleich einem Stierkampf. Der Tango - ein Tanz so erotisch, dass die katholische Kirche ihn beinahe verboten hätte. Auf Geheiß des Papstes Pius X. zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam ein Paar aus Montevideo nach Rom, um vorzutanzen. „Keine sittlichen Bedenken", war die Antwort des Kirchenoberhaupts. „Wobei man nicht weiß, wie zaghaft die beiden getanzt haben", scherzte Moderator Ackerle.
Er versuchte auch, glaubhaft zu machen, dass der Korber Schwabe doch etwas mit den vollblutigen Argentiniern gemeinsam habe: Im Schmelztiegel Buenos Aires suchten die europäischen Einwanderer und die entwurzelte Landbevölkerung einen Weg aus dem Elend und der Armut. Sie entflohen dem Überlebenskampf des Alltags mit Festen und Tänzen in der Nacht. „Faschd so, als ob mir en dr Besa ganged oder uffs Korber Stroßafeschd."

Quelle: WKZ vom 14.05.2007
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