Online-Tagebuch vom Sommerorchester 2003: Mittwoch, 06.08.2003

Mittwoch, 06.08.2003

Empfang in Krakau



Heute war Krakau unser Tagesziel. Früh mußten wir aufstehen, da eine dreistündige Busfahrt zur drittgrößten Stadt Polens vor uns stand und dort zwei Konzerte zu bewältigen waren: eines auf dem Marktplatz bei den berühmten Tuchhallen und eines in der Heilig-Herz-Jesu-Basilika. Wie immer holten wir also unsere polnischen Freunde am Kulturhaus ab. Diesmal war auch der Dirigent des Blasorchesters Herr Kutz sowie Sabine und Meggie, Marium, Dietmar, Lech und Mariusz neu mit dabei. Während der langen Fahrt lernten wir uns noch besser kennen, und es wurde nicht nur gemeinsam diskutiert sondern auch Karten gespielt und viel gelacht.


Pünktlich um 11.00 Uhr waren wir beim Empfang im Rathaus von Krakau. Die Vizepräsidentin und die Kulturamtsleiterin empfingen uns sehr freundlich. Als musikalische Grüße aus Baden-Württemberg spielte ein Quintett (statt dem ganzen Orchester, das im Saal keinen Platz gefunden hätte) den 1. Satz aus der "Partita Piccola" von Christine Boll.


Philipp Haag, mit 13 Jahren unser jüngster Akkordeonist, spielte als Kontrast dazu das modernere und virtuose Stück "Flick-Flack" von Albert Vossen: auswendig und äußerst souverän. Großer und anerkennender Applaus des Publikums! Philipp durfte nach diesem gelungen Auftritt auch gleich ein Interview einer polnischen Zeitung geben.


Bei diesem multikulturellen Treffen wurden zwischen Claus Gregustobires (als Bildungsreferent der Akkordeonjugend BW und Manager der Polenreise) und den anwesenden offiziellen polnischen Kulturvertretern der Stadt Krakau sowie der Region Krakau zwei neue Austauschprojekte für 2004/05 vereinbart. Unser Claus wurde gleich für den 15. Oktober zu dem großen "Jugend-Kultur-Spektakel-03" nach Krakau eingeladen, um direkt mit den aktiven polnischen Jugendvertretern "backstage" erste Ausarbeitungen für 2004 anzugehen. Im Gegenzug dazu sprach er eine Einladung zu einem 3-tägigen Seminar von dt-poln. Jugendlichen in Deutschland für September aus. Wir hätten nicht gedacht, daß wir mit unserem Sommerorchester in Polen gleich für soooviel internationale neue Beziehungen sorgen würden.


Konzerte in Krakau


Im Anschluss an den Empfang wurden wir von unserer Fremdenführerin Maria Warch abgeholt, die uns die Sehenswürdigkeiten von Krakau zeigte. Auf dem Marktplatz erzählte Maria uns von den Tuchhallen, die sich in der Mitte befinden. Wir wurden weiter geführt zur großen Marienbasilika. Der Anblick dieses prächtigen Bauwerkes beeindruckte uns alle zutiefst. Der holzgeschnitzte Altar von Veit Stoss ist der größte seiner Art in Europa. Vom höheren Turm dieser Kirche aus spielt zu jeder vollen Stunde ein Trompeter ein Teil des Signals, das beim Angriff der Mongolen im 14. Jahrhundert geblasen wurde. Jedoch wurde der Trompeter damals von einem feindlichen Pfeil tödlich getroffen. Aus diesem Grund bricht der heutige Trompeter traditionell die Melodie an genau dieser Todespfeilstelle ab. Dieses Ritual wiederholt er in alle 4 Himmelsrichtungen. Auch das war sehr beeindruckend.


Um 16.15 Uhr begann unser Platzkonzert auf dem Marktplatz. Trotz der sommerlichen Hitze ließen es sich sehr viele Leute nicht nehmen, unserem abwechslungsreichen Programm in praller Sonne stehend zu lauschen. Sie spendeten uns sogar Geld in den aufgestellten leeren Akkordeonkoffer (war eigentlich als Witz gedacht) und sehr viel Applaus. Nach einer Stunde Konzert suchten auch wir schnell kühlen Schatten.

Die Instrumente wurden sofort wieder verladen um sie zur Heilig-Herz-Jesu-Basilika zu fahren, wo nach dem Abendgottesdienst unser nächstes Konzert geplant war. Davor hatten wir jedoch noch ein paar Stunden freie Zeit zur Erholung. Einige nutzten diese Zeit, um mit Frau Warch die Burg Wawel zu besichtigen, andere machten eine Kutschfahrt, gingen zum Shopping oder ruhten sich einfach nur aus, während sie den Klängen anderer Straßenmusikanten und HipHoppern lauschten.


Die Akustik mit dem außergewöhnlichen Nachhall in der Basilika verlieh unserem Orchesterspiel eine imposante Klangfarbe. Wir waren selber ganz hin und weg. Auch diesmal forderte das Publikum mit anhaltendem Applaus eine Zugabe. Vor allem die anwesenden geistlichen Zuhörer lauschten andächtig den Klängen des "Ave Maria". Als Dankeschön für das Konzert zu Gunsten der örtlichen Diakonie überreichte uns der Pater ein großes gerahmtes Christusbild. Nachdem wir uns bei der Heimreise endlich von unserer "fürsorglichen Maria Warch" verabschieden konnten, begaben wir uns auf eine kleine Irrfahrt nach Hause (da fehlte ein Wegweiser) und kamen 4 Stunden später am Internat in Dobrodzien an. Todmüde aber glücklich fielen wir alle in unsere Betten und freuten uns schon darauf, was uns am nächsten Tag wohl erwarten wird.


Banner Akkordeonjugend Baden-Württemberg

 

 

(Logo)

Online-Tagebuch

Startseite
Freitag, 01.08.2003
Samstag, 02.08.2003
Sonntag, 03.08.2003
Montag, 04.08.2003
Dienstag, 05.08.2003
Mittwoch, 06.08.2003
Donnerstag, 07.08.2003


Weitere Informationen:

Probenwochenende in Kürnbach
Die Orchestermitglieder
Mit dem Sommerorchester 2003 nach Krakau
Ausschreibung