Hiss on Tour: Polka 'n' Roll 2001

Fünf Männer gehen den Weg der Verruchtheit und des Verderbens. Vor kurzem noch hat Bußfertigkeit sie gebremst, jetzt haben sie wieder Höchstgeschwindigkeit erreicht, rasen sehenden Auges auf den Abgrund zu und nehmen unterwegs mit, was sie kriegen können. Volle Risikobereitschaft auch beim Musizieren: An welchen Tabus könnte man mit der Polka noch anecken? 2/3, 2/4, 4/4, getanzt wird immer im Takt. Hauptsache die Schubladen bleiben zu und HISS reißen ihr Publikum, vom Rhythmus gejagt und von süßen Melodien umschmeichelt, vom Hocker und auf den Tanzboden.

Dieser ist vom selben Holze wie die Bühnen, auf denen die Hacken der Stiefel an den Füßen der fünf Cowboys Spuren wilder Stakkati hinterlassen haben. Ebenso tiefe Narben finden sich an den Musikinstrumenten. Kein Wunder, werden sie doch von groben Händen, eisernen Muskeln und Lungen erbarmungslos geschlagen, gequetscht und ausgesaugt. Immer wieder aber überraschen die Kerle mit leisen, fast zärtlichen Tönen.

Die Musik von HISS wird von einer ganz besonderen Instrumentierung geprägt: Dass in einer Rock-Band ein Akkordeon im Vordergrund steht, dürfte einmalig sein, zumal in Verbindung mit zwei weiteren Melodie-Instrumenten, nämlich Mundharmonika und Gitarre. Schlagzeug und Bass ergänzen den Maschinenpark, der ganz auf die Bedürfnisse des menschlichen Bewegungsapparats ausgerichtet ist. Tiefe Einblicke in seine Überzeugungen und manch wertvollen Rat fürs Dasein gibt Herr Hiss zwischen den Tänzen, so dass auch die Lachmuskulatur gestählt wird.

Doch jedes Lachen gefriert auf den Gesichtern, wenn die Aufforderung zum Totentanz erfolgt: "Hebt euer Glas und trinkt auf die Toten", heißt es im Refrain der Friedhofspolka und mahnt an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Derweil ist es aber noch ein Stück Wegs bis ins Grab. Mindestens zwei Stunden Reflexion über allerlei Spielarten des Lebens wollen die Zeit verkürzen, bis das Schicksal den Hobel ansetzt und Herr und Knecht im selben Dreck verscharrt werden. Und wenn erst einmal Gras über das Leben gewachsen ist, finden sich alle zum Tanze auf dem Kirchhof ein: der Cowboy grinst noch einmal unter dem Hut hervor, der Gattenmörder hält es nun doch nicht alleine aus und des Mannes Schönheit ging mit seinem Fleisch dahin. Ob bei Polka, Two-Step oder Walzer, solange gilt es kein Vergnügen auszulassen.

Am allerwenigsten ein Konzert mit HISS.

Tourplan: Termine, Locations und Ansprechpartner                                    Homepage: http://www.hiss.net


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