"Virtuelles Interview" mit Stefan Hippe

Seit nunmehr 20 Jahren bereichert Stefan Hippe die zeitgenössische Musik nicht nur mit Kompositionen für Akkordeon. Ein guter Grund für Erhard Schwenk, ihn mal in unserem Auftrag per E-Mail "auszufragen". Hier das Ergebnis:

ES> Stefan, erstmal herzlichen Glückwunsch zu 20 Jahren erfolgreichem kreativen Schaffen. Gehen einem nach so langer Zeit nicht irgendwann mal die Ideen aus?
SH> Irgendjemand hat mal gesagt, daß man Stücke mit 90% Arbeit und 10% Inspiration anfertigt. Den Schnitt kann ich bestätigen, also keine Sorge, die Ideen gehen so schnell nicht aus.
ES> Was erwartet denn die Besucher Deiner Jubiläumsfeier? Das Programm sieht ja toll aus.
SH> Mir war dabei wichtig, dass dabei Werke ganz unterschiedlicher Stile zum Erklingen kommen. Dass es in der Region (Mittelfranken), vor der Haustüre, dabei ganz verschiedene Komponistentypen gibt, finde ich ein positives Zeichen von kultureller Vielfalt. Aus diesen Möglichkeiten habe ich fünf Kolleginnen und Kollegen ausgewählt, zum Teil sind sie ehemalige Lehrer, alle sind sie gute Bekannte, manche sogar gute Freunde. Ich erhoffe mir, durch den Wechsel eigener und fremder Werke einen spannenden und ereignisreichen Abend.
ES> Eigentlich jeder gute Komponist entwickelt in seiner Musik bestimmte Charakterzüge, seinen eigenen "Stil". Wie würdest Du den Stil von Stefan Hippe beschreiben?
SH> Mein Stil ist schwer zu beschreiben, das müßte ein Außenstehender tun. Auf alle Fälle tut man sich am Anfang mit den Stücken schwer, sie sind nicht leicht zu verstehen. Wenn man es aber tut, merkt man, daß die einzelnen Bausteine sehr einfach zusammengesetzt sind, allerdings in einer modernen Tonsprache.
ES> Wie sollte man aus Deiner Sicht die Interpretation Deiner Werke angehen?
SH> In der Notenschrift steht alles drin. Möglichst genau das tun, dann kann nichts passieren.
ES> Gibt die Notenschrift denn alles her, was Du ausdrücken möchtest? Oder stößt man da irgendwann an Grenzen?
SH> Nicht wirklich. In unserem Bereich bin ich schon sehr froh, wenn das Notierte gemacht wird. Nicht mehr und nicht weniger.
ES> Schöpferisch tätige Menschen entwickeln ihre Arbeit ja im Laufe der Zeit weiter, bauen auf vergangenen Erfahrungen und erlebtem auf. Gibt es unabhängig von dieser Fortentwicklung in Deinen bisherigen Werken ein Stück, das Dir persönlich besonders wichtig erscheint, sozusagen einen persönlichen Meilenstein?
SH> Das ist schon die Partitur zu meiner Oper "A Lady DIes". Das waren drei Jahre Arbeit an 80 Minuten Musik, da habe ich viel dabei gelernt.
ES> Zumindest in Akkordeonkreisen bist Du nicht nur als Komponist, sondern auch als Lehrer, Dirigent und Dozent bekannt. Welcher Teil Deiner Arbeit macht am meisten Spaß?
SH> Das tolle an meinem Beruf ist die Vielseitigkeit. Und das, was ich gerade mache, bekommt die volle Aufmerksamkeit und den vollen Einsatz.
ES> Woran arbeitest Du denn zur Zeit? Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus?
SH> Zur Zeit arbeite ich an einem Akkordeonquintett, dann für ein Akkordeonensemble aus Holland, ein Stück für Chor und Akkordeonorchester und demnächst werde ich wohl eine Filmmusik (Streichquintett) und ein Stück für Orgel und Klarinette schreiben.
ES> Wenn Du noch einmal beginnen könntest, würdest Du das wieder mit dem Akkordeon tun? Was reizt Dich an diesem Instrument besonders?
SH> Natürlich würde ich wieder mit dem Akkordeon anfangen wollen. Ich denke, es ist eins der sinnlichsten Instrumente, man hält es in den Armen und macht es auf und zu. Am Klavier hat man nicht so intensiven Kontakt. Der Klang ist auch sehr schön, als ich kann mir kaum ein schöneres Instrument vorstellen.
ES> Wie sieht denn die Situation des Akkordeons aus Sicht eines Komponisten aus? Was müßte sich Deiner Meinung nach verändern? Sind die Akkordeonisten auf dem richtigen Weg?
SH> Was ist der richtige Weg? Ist es richtig mehr Unterhaltungsmusik zu spielen, damit mehr Leute kommen, ist es richtig anspruchsvolle Konzertmusik zu spielen? Ich weiß es nicht. Ich denke, wichtig ist, daß jeder Aktive von seinem Tun überzeugt ist und sich traut, über den eigenen Gartenzaun zu sehen, um zu sehen, wie es andere machen.
ES> An dieser Stelle möchte ich mich herzlich für Dein Mitmachen bedanken und Dir für die Zukunft viel Glück und Erfolg wünschen. Welches Schlußwort möchtest Du unseren Lesern mitgeben?
SH> Viel Spaß beim Musizieren!

 

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