Neue CD von Friedrich Lips: CINEMA

Unbestreitbar einer der erfolgreichsten Vertreter der Akkordeonmusik in der Gegenwart ist Friedrich Lips, der mit seiner Aktivität als Professor und Lehrer, als Buchautor, als Wertungsrichter bei internationalen Wettbewerben und nicht zuletzt als herausragender Solist der Extraklasse schon seit Jahrzehnten für internationales Aufsehen weit über Akkordeonistenkreise hinaus sorgt. Mit "CINEMA" stellt er nun seine neueste CD vor.

Das Programm der CD besteht ausschließlich aus Originalwerken des ausgehenden 20. Jahrhunderts für das Bajan, die in Rußland verbreitete Version des chromatischen Converter-Knopfakkordeons. In einem weiten musikalischen Kaleidoskop, dessen verbindende Idee das Titelwerk "Cinema" von S. Berinski bildet, zeigt Lips eine beeindruckende Bandbreite zeitgenössischer konzertanter Akkordeonmusik auf. Diese wird ergänzt durch die nicht minder imposante künstlerische Bandbreite des Interpreten Friedrich Lips und seiner Partner Mark Pekarski (Percussion), Swjatoslaw Lips (Klavier) und Vladimir Toncha (Violoncello).

Perfekte Beherrschung ihrer Instrumente ist dabei für alle Akteure absolute Voraussetzung - tritt aber nie als solche in den Vordergrund. Man muß schon mehrmals hinhören, um die Anstrengungen und Schwierigkeiten, die sich hinter der scheinbaren Leichtigkeit vor allem des Spiels von Friedrich Lips verbergen, zu erahnen. Der eigentlich eher anspruchsvoll zu hörende Minimalstil von Vladimir Kobekins "Feiertag für Zwei" erschließt sich so auch einem relativ unbedarften Hörer beinahe von Alleine

Tango - keine andere Form des Tanzes ist so eng mit dem Akkordeon verbunden, keine andere Musik bietet vergleichbare Emotionen und Extreme. Wie könnte ein solcher Querschnitt durch die zeitgenössische Bajan-Musik also ohne auskommen?

Natürlich überhaupt nicht. Und so finden sich auf der CD gleich drei Stücke dieser Kategorie. Wer jedoch erwartet hat, hier den 2001. Aufguß berühmter Werke von Astor Piazzolla zu finden, wird sich nur zum Teil bestätigt finden. So, wie der Tango selbst Ausdruck der größten denkbaren Gegensätze ist, so gegensätzlich sind auch die gewählten Stücke von T. Sergejewa ("Jasmin"), Astor Piazzolla ("Tango Apasionado") und Igor Strawinski ("Tango") - und doch tief im innern miteinander verbunden wie ungleiche Geschwister.

Den Abschluß der CD bilden die Sonaten Nr. 2 "Sonata quasi una..." und Nr. 3 "Spaziergang durch den Neskutschni Sad" von Aleksandr Schurbin, beide vom Komponisten Friedrich Lips gewidmet. Hier handelt es sich um zwei typische Vertreter zeitgenössischer russischer Kompositionen für Bajan. Beide sind anspruchsvoll in Technik und Umsetzung, auf höchstem musikalischem Niveau anzusiedeln - und doch verleugnet keine ihre Verwurzelung in der traditionellen Volks- und Unterhaltungsmusik aller Epochen. Friedrich Lips schafft so das Kunststück, den Zuhörer gleichzeitig Anstrengung und Entspannung erfahren zu lassen.

Alles in allem eine CD des anspruchsvollen Interpreten für den anspruchsvollen Hörer, der Qualität in Literaturauswahl und Interpretation zu schätzen weiß. Cinema sollte in keinem CD-Regal mit Akkordeonmusik fehlen.

Die CD "Cinema" ist seit September im Fachhandel erhältlich. Informationen zu "Cinema", Friedrich Lips, weiteren CD's und Bezugsquellen gibt es auf der Homepage von Friedrich Lips

 

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