Auszug aus dem geplanten "Projektbuch 1998"

" ... aber leider ist unsere Gruppe nach einem Jahr wieder eingeschlafen, obwohl es am Anfang über 30 Kinder waren ..." So oder ähnlich lauten oft kurz und knapp die Berichte von Vereinsjugendleitern, wenn sie nach "ihrer Jugend" gefragt werden. Es scheint dies bei anderen Vereinen auch ein großes Problem darzustellen. Nach anfänglicher Begeisterung wird die Gruppe plötzlich kleiner. Und dann sind es nur noch drei, vier Leute, die kommen ... schließlich ist Schluß !

Eigentlich ist es ein ganz natürlicher Vorgang, der sich hier abspielt. Denn im alltäglichen Leben geht es doch auch so: am Anfang macht etwas riesig Spaß, und dann - ganz allmählich - flaut es bis zum Nullpunkt ab. Daß Gruppenmitglieder "plötzlich" nicht mehr kommen, ist also völlig normal. Wenn diese "Abgänge" dann durch "Neuzugänge" ersetzt werden, ist das Ganze weiter auch nicht dramatisch. Schlimm wird es nur, wenn keine "Neuen" in die Gruppe eintreten.

Die Gründe, warum die Gruppe plötzlich kleiner wird, können vielfältiger Art sein. Sehr oft ist dies der Fall, wenn das Programm an den Interessen der Kinder vorbei produziert wird. Dies ist meistens dann der Fall, wenn der Jugendleiter autoritär das Programm bestimmt und nicht die Gruppenmitglieder. Die Abwanderungstendenz läßt sich dann relativ schnell beheben, wenn man als Jugendleiter von autoritär auf demokratisch umschaltet, d.h. wenn nicht mehr entscheidend ist, was der Jugendleiter will, sondern was die Gruppe will. (...)

In jeder Gruppe gibt es sogenannte heimliche Führer. Bleibt dann einer dieser fern, fehlt auch plötzlich eine größere Anzahl anderer Gruppenmitglieder. In solch einem Fall bleibt einem meistens nichts anderes übrig, als daß man den ferngebliebenen "Führer" anspricht, was er denn nun mit dieser Aktion wieder vorhabe. Denn bei solchen Vorhaben seitens des Ferngebliebenen steckt oft die Absicht dahinter, mehr Einfluß in der Gruppe zu erhalten. (...)

Persönliche Unzulänglichkeiten des Jugendleiters führen hier und da auch zu bedenklicher Dezimierung der Gruppe. Unentschuldigtes Fernbleiben, was den Ausfall des Gruppenabends bedingt, oder das hemmungslose übertragen der persönlichen Stimmungslage auf die Gruppe, reißen Lücken ins Gruppengebilde. In diesen Fällen besorgen die Eltern dann vielfach den Rest, indem sie ihre Kinder mit Argumenten wie "Wenn der dich immer anschreit, dann bleibe doch fern! " oder "Wenn der Gruppenabend so oft ausfällt, dann gehst du eben in einen anderen Verein! " überzeugen. (...) und die Kinder als vollwertige Personen behandeln, negative Stimmungen nicht auf die Kinder übertragen und den Gruppenabend "nie" ausfallen lassen (...). Schon relativ kurze Zeit nach der Gruppengründung hat jedes Gruppenmitglied eine
bestimmte Rolle inne, z.B. der heimliche Führer, der Clown, der Außenseiter, das Opfer (... usw ...).